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Beziehungsweise

Dienstag, 1. Juli 2008

Hochzeitstag 2

Und heute haben wir unseren Hochzeitstag GEFEIERT:
spontanes Picknick im Sonnenuntergang auf den Stufen der Karlskirche mit einer Flasche Veuvre Cliquot...
Es war friedlich und schön.
Es war gut und es war wichtig.

Feierpicknick

So mag ich das.

Hochzeitstag 1

Ein perfekter Sommerabend, lau, windstill.
Ein wunderschöner Platz in der Innenstadt.
Ein Tisch in einem Gastgarten.

Sie sitzen sich gegenüber und schweigen.

Exotisches Essen, kühler Chardonnay.
Sie trägt den Schmuck, den er ihr einmal geschenkt hat.
Samtblauer Abendhimmel.

Sein Gesicht ist müde, ihres ist unendlich traurig.
Heute ist ihr Hochzeitstag.

Dienstag, 17. Juni 2008

Eine kleine Banalität: einfach nur Ansichtssache - von außen und von innen...

Die Situation
Es handelt sich hier um ein Päarchen, beide Mitte 30, das mit einer Reisegruppe (Arbeitskollegen) unterwegs ist.

Die Sicht von aussen (=das Klischee)
Er: plaudert locker mit den Arbeitskollegen, ist chamant, sprühend, offenbar gut drauf.
Sie: hat einen verkniffenen Zug um den Mund, ist sichtlich unentspannt. Nicht besonders kommunikativ und eigentlich eher unsympatisch.

Auch die Gruppe denkt sich, wahnsinn, so ein netter Mann, was will der bloß mit so einer Frau. Wahrscheinlich hadert sie mit dem Älterwerden oder im Hotel gabs keinen Föhn …

Die Sicht von innen
Sie: liebt ihren Mann, aber fährt schon eine ganze Weile auf der recht extremen Launenkurve ihres Mannes Berg-und-Tal-Bahn.
Und sieht von seinem Charme, den er der Reisegruppe so großzügig zeigt, derzeit nicht sehr viel. Im Gegenteil, seine Respektlosikeiten ihr gegenüber werden immer größer.
Anerkennung hat sie überhaupt schon länger nicht mehr bekommen von ihm, dafür wiederholt gute Ratschläge, was sie alles an sich und ihrer Art alles optimieren kann.
In der Reisegruppe sind alle rund um sie herum „gut drauf“, sie aber nicht. Und kann sich dementsprechend kaum integrieren.
Sie sieht ihrem Mann dabei zu, wie er sich im Kampf um Anerkennung komplett verausgabt, mehr, als es gesund für ihn ist und hält das fast nicht aus.
Fragt sich auch, woher er dafür die Energie für diese Freundlichkeit gegenüber seinen Kollegen hernimmt und gleichzeitig tut es ihr weh, weil für sie davon nichts mehr übrig bleibt.
Der schlime Streit, den beide gerade im Hotel-Zimmer hatten, geistert ihr nach wie vor im Kopf herum, die Beschimpfungen, die er da losgelassen hat, tun ihr im Herz weh.
Sie ist schon ziemlich verzweifelt, weil sie nicht sieht, was sie tun kann, damit die Situation wieder besser wird.

Er: ist in Wirklichkeit nicht gut drauf.
Er wünscht sich einfach, ein Teil dieser Reisegruppe zu sein, zu seinen Arbeitskollegen so richtig dazu zu gehören.
Und ist von seinem harten Berufsleben komplett ausgelaugt und für diese Reise in Wirklichkeit zu krank und zu müde.
Er weiß auch gar nicht, ob er das noch überhaupt will: diesen Job, diese Arbeitskollegen.
Der Alltag frisst und lähmt ihn und seit viel zu langer Zeit lässt ihm sein Beruf keine Zeit und Energie für ein Leben neben dem Job.
In Wirklichkeit liebt er seine Frau sehr, aber was ist blos los mit ihr? Bitte nicht jedes Wort und jeden Tonfall so auf die Goldwaage legen. Immerhin ist ja SIE die, die dauernd überempfindlich ist. Früher war sie ja auch lockerer. Warum macht sie nicht einfach ein freundliches Gesicht und tut mit?
Er versteht die Welt nicht mehr. Und den schlimmen Streit, den beide noch im Hotelzimmer hatten, hat er längst verdrängt.

Also schwimmt er im Wir-haben-gute-Stimmung-Farhwasser der Gruppe mit, während sie immer mehr verstummt ...

Hab ich erst unlängst hautnah miterlebt, war Teil dieser Gruppe.
Und warum ich das alles schreibe?
Weil ich selber immer wieder dem Irrtum erliege, die Dinge nach ihrem Schein zu beurteilen - und mir schon öfters dachte, so ein netter Mann, was will der blos mit dieser verkrampften Frau...

Lucretia McEvil

little girl what's your game

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